Ab in den Urlaub – NACHRUF

Ab in den Urlaub # NACHRUF, Auszug aus dem ebook: Rageber-ReiseRabatt

 

So ein Mist, jetzt hatte ich 5 Seiten geschrieben um alle vor Ab in den Urlaub und Unister zu waren, vor dem Geschäftsgebaren und den Machenschaften, großen und kleinen Fallen, Versicherungsverträge, fragwürdigen Zahlungsbedingungen und anderen unglaublichen Vorgängen.

Und jetzt der Knall, erst der Flugzeugabsturz mit Geldkoffer, ein Wirtschaftskrimi, und nun die Insolvenz.

Bereits im Frühjahr 2016 war es abzusehen, dass es sich eher um Monate, als um Jahre handeln sollte, bis das Kartenhaus Unister zusammenfällt.

Die Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden haben sich bei Unister die Klinke in Hand gegeben. Gutscheine wurden seit Monaten noch schleppender als sonst ausgezahlt. Trotzdem wurde fleißig weiter gebucht. Jeder wollte sein Stück vom Gutscheinkuchen.

Ich war froh noch vor dem ganzen Theater eine Klage, für meine letzte Gutscheineinlösung aus Januar 2016, erfolgreich über die Bühne bekommen zu haben. Ob ich mein Geld wiedersehe ist noch fraglich, wenn nicht sende ich die Forderungen zusammen mit den letzten zwei Kaufgutscheinen zum Insolvenzverwalter und warte auf die Quote.

Das Flugportal Fluege.de habe ich nie genutzt. Das Geschäftsmodell war für mich nie sauber. Fast keine Airlines zahlt Provisionen auf Flugbuchungen! Wie hat Fluege.de Geld verdient? Anfangs mit versteckten Gebühren, später, als diese gerichtlich untersagt wurden, mit Zahlungsgebühren und Versicherung, mit Fehlern der Kunden, die ein Häkchen falsch gesetzt hatten, mit Umbuchungsgebühren und anderen fragwürdigen Methoden. Trotzdem war es Insidern möglich mit der richtigen Einstiegsseite, mit der Fluege.de-Mastercard und einem Gutschein mehr als 50% auf innerdeutsche und europäische Flüge zu sparen.

Die 100 Euro Gutscheine ohne Mindestbuchungswert für Pauschalreisen bei Ab in den Urlaub (Aidu) hatte ich zwar gekauft, aber nie genutzt. Es gab meist ähnliche Gutscheine von seriösen Portalen. Anfangs bei Dailydeal und Groupon ab 7,92 Euro (inkl. 20% Rabatt), später bei Ab in den Urlaub-Deals für je 6,90 Euro (5 x 9,90 Euro – 15 Euro Neukunden-Rabatt) hatte ich diese Gutscheine nur als Tauschmittel gegen bessere Reisegutscheine verwendet.

Ab in den Urlaub wir werden dich sicher vermissen, nicht dein Geschäftsgebahren und deine Machenschaften, aber deine großzügigen Gutscheine.

Ab 2012 hatte ich begonnen Ab in den Urlaub – Gutscheine zu kaufen, Gutscheine für Eigene Anreise (Pauschalhotels), 20 bis 30 Euro bezahlen, 50 Euro Gutschein erhalten! Aus Pauschalreisen wurden individuelle Pauschalreisen mit gestückelten Hotelaufenthalten. Im Wechsel mit anderen Gutscheinen, Rabatten oder Cashback standen wir sehr oft mit sehr vielen Hotelvouchern an den Rezeptionen. Reisen kosteten auf einmal viel viel weniger. Danach kam eine kurze Durststrecke, der Verkauf dieser Gutscheine wurde eingestellt.

Im Frühjahr 2013 bekam ich die ersten neuen Gutscheine, sie lagen in jedem Paket, kostenlos, der Heilige Gral der Gutscheine! Die Gutscheine wurden quasi aus dem Helikopter über Deutschland abgeworfen, je 25 Euro für NULL Euro (für Eigene Anreise) und ohne Mindestreisepreis!

Ab in den Urlaub

25 Euro Gutschein für Reisen mit Eigener Anreise – Kein Mindestreisepreis (Quelle: ab-in-den-urlaub)

Die 50 und 100 Euro Gutscheine für Pauschalreisen waren aufgrund des hohen Mindestbuchungswertes nutzlos, die 25 Euro Eigene Anreise Gutscheine dafür etwas ganz besonders. Zu den gestückelten Pauschalreisen kamen jetzt Rundreisen, es wurde immer billiger und alle die den Wert dieser Gutscheine erkannten, schöpfen aus den Vollen. Wir hatten viele verschiedene Gutscheincodes und alle mehrfach. Jeder Gutscheincode wurde auf jedes Familienmitglied eingelöst. Buchbar von 2013 bis Dezember 2014, Reisen in 2015 aber noch möglich. 2015 wurde der Mindestbuchungswert auf 200 Euro heraufgesetzt, nur noch 12,5% Rückvergütung, für die meisten sicher okay, für die Insider aber viel zu wenig und den Ärger bei Ab in den Urlaub nicht wert.

Noch vor dem Ende der kostenlosen 25iger kamen sie zurück, die noch besseren Universal-Kauf-Gutscheine, 50 für 20 Euro und 80 für 50 Euro, ab sofort ständig auf der Website von Aidu verfügbar und für alle Reiseprodukte einlösbar! Ein Wunder, obwohl diese Gutscheine offen für jedermann verfügbar waren, wurden diese kaum öffentlich kommuniziert, auch nicht in Schnäppchenblog oder -communitys, es blieb für viele der Geheimtipp. Einziger Haken dieser Gutscheine, man musste wieder in Vorleistung gehen. Haken deshalb, die Auszahlungsfristen verlängerten sich auf über 2 Monate. Bis zu 60% Rückvergütung auf Eigene Anreise, jeder wusste, dass die Gutschein-Blase irgendwann platzen musste.

Es kriselte bei Ab in den Urlaub

Aus Kundensicht war alles legal! Baute Aidu ein Pyramide oder reichten die Einnahmen aus Versicherungsgeschäften, Zahlungsgebühren und “Verzicht” von Gutscheinauszahlungen anderer Kunden?

2014 beantragte ich wegen Nichtauszahlung von Gutscheinen den ersten von insgesamt drei Mahnbescheiden gegen Aidu. Die Rechtsabteilung und Buchhaltung waren total überfordert. So kam es vor, dass nach bösen Briefen oder Mahnbescheiden Gutscheine doppelt ausgezahlt wurden. Es gab den Gutscheincode, eine Buchungsnummer von Aidu, eine Buchungsnummer vom Veranstalter und eine interne Buchungsnummer, angeblich zum Abgleich. Vor allem die internen Nummern wurde nie kommuniziert und es wurde alles unternommen um die Kunden zu verwirren. Auszahlungen mit diesen internen Nummern konnte kein Kunde mit mehreren Gutscheinen zuordnen. Es herrschte Chaos.

Es war ein Hase und Igel Spiel, Ab in den Urlaub verlor das Spiel und sicher auch den Überblick.

Der Gipfel des Gutschein-Olymps wurde mit der Kombi von Gutschein und Bonus bestiegen. Nicht nur, dass Hotelaufenthalte fast kostenlos möglich waren, man bekam manchmal sogar noch Geld raus.

Von Frühling bis Spätherbst 2015 änderte sich einiges, Wartezeiten bei den Telefon-Hotlines verringerten sich, der Ton wurde freundlicher und einzelne Gutscheine wurden sogar unmittelbar nach Buchung oder weit vor Reisebeginn ausgezahlt! Es war die Zeit in der die Reisesparte von Unister verkauft werden sollte. Die Braut wurde hübsch gemacht, Mahnbescheide oder Gerichtsprozesse wollte man um jeden Preis vermeiden.

Es kam kein Verkauf zu Stande. Ende 2015 ging dann fast gar nichts mehr, Gutscheinauszahlungen verzögerten sich immer mehr. Das Ende war in Sicht.

Die Auszahlungsfrist für neue Pauschalreise-Gutscheine wurde von 28 auf 45 Tage verlängert, neue unhaltbare Einlösebedingungen wurden eingeführt um Auszahlungen zu vermeiden, Kunden wurden hohe Gutscheine in Aussicht gestellt wenn sie auf fällige Auszahlungen verzichteten, die Alarmglocken schrillen lauter als je zuvor.

Die 50 für 20 Euro Universal-Gutscheine wurden eingestellt, die neue beste Variante war 40 für 20 Euro, immerhin noch bis zu 50% Einsparpotential für Eigene Anreise.

Die Insolvenz von Ab in den Urlaub und Unister

Genau diese Gutscheine gibt es heute (Ende August 2016) noch immer zu kaufen, bestätigt vom Insolvenzverwalter. Bis zu 50% Rabatt bei gerade 15% Provision vom Veranstalter? Der Insolvenzverwalter scheint keine Ahnung von Mathematik zu haben.

Kunde:

  • – 20 Euro Gutscheinkauf (40 für 20 Euro)

  • – 40 Euro Hotelbuchung

  • + 40 Euro Rückvergütung (jetzt vom Insolvenzverwalter)

  • 20 Euro bezahlt und 20 Euro gespart !

Ab in den Urlaub:

  • 15% Provision aus 40 Euro = 6 Euro Rohgewinn

  • abzüglich 20 Euro Rückvergütung an den Kunden

  • 14 Euro Verlust pro Gutscheineinlösung vor Kosten und Steuern!

Inzwischen sind neue Gutscheine für Pauschalreisen im Umlauf, ob diese auch vom Insolvenzverwalter bestätigt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Mit 300 Euro Nennwert geht Aidu auf Neukunden(dumm)fang. Der kostenlose Gutschein ist für Last-Minute- und Pauschalreisen und Flug & Hotel mixen einlösbar, die Auszahlungsfrist beträgt 45 Tage ab Anreise, der Mindestbuchungswert 1500 Euro. Bis zu 20% Rückvergütung bei 15% Provision, der Irrsinn geht weiter!

Sorry mein Fehler, der Insolvenzverwalter kann doch rechnen. Jetzt macht er die Reisesparte hübsch, auf Kosten der Gläubiger! Da spielt es keine keine Rolle ob Hotelbuchungen mit 50% oder Pauschalreisen mit 20% rabattiert werden. Mit neuen Gutscheinen wird zwar je Menge Geld verbrannt, aber die Verkaufszahlen hochgehalten. Verluste werden bewusst in Kauf genommen. Die Zeche zahlen die Mitarbeiter und die Gutschein-Altgläubiger. Der mögliche Investor übernimmt die Reisesparte ohne Schulden und Verbindlichkeiten (aus Gutscheinen). Den neuen Investoren sollte jedoch bewusst sein, dass kein geprellter Altkunde jemals wieder bei NEU-in-den-Urlaub eine Reiseleistungen buchen wird!

Der Insolvenzverwalter erklärte alle vor dem 18.07.2016 erworbenen Gutscheine als Insolvenzmasse. Eine Auszahlung der Gutscheine wird es nur über die Insolvenzquote geben, was übrigens sehr lange dauern kann.

Für uns war es eine sehr schöne Zeit, Ruhe sanft, Danke Ab in den Urlaub.

Die Reisebüros und viele Mitbewerber lassen seit Beginn der Insolvenz die Korken knallen und feiern die Insolvenz und das Ableben vom Erzfeind Unister, Ab-in-den-Urlaub, Fluege.de und Co.

 

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